Messow

(Maszewo)
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Aktuelles Kreis Crossen/Oder
mit den drei Städten Crossen Bobersberg Sommerfeld
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Messow
Messow liegt 16 km nordwestlich von Crossen an der Chaussee nach Fürstenberg a. Oder (heute ist Fürstenberg ein Ortsteil von Eisenhüttenstadt).

Von Crossen fährt man die Frankfurter Chaussee - nach 6 ½ km kurz hinter Güntersberg biegt man links in Richtung Messow ab, das man nach weiteren 9 ½ km erreicht.

Messow
Messow hatte bei der letzten Volkszählung im Jahre 1939     752 Einwohner und 185 Haushalte   und gehörte zum Amtsbezirk Messow, zu dem noch Pollenzig gehörte.

Messow ist ein zentraler Ort, der an der Kreuzung der Ost-West-Straße von Crossen-Güntersberg nach Fürstenberg (Oder) mit der Süd-Nord-Verbindung von Guben über die Fährstelle Pollenzig und dann weiter über Kurtschow - Pleiskehammer nach Sternberg und weiter nach Landsberg (Warthe) liegt.

Die Ost-West-Straße wurde schon vor dem 1. Weltkrieg, die Nord-Süd-Straße wurde erst 1921 am Westrand des Dorfes entlang als Chaussee ausgebaut. Die Straße Fürstenberg - Güntersberg teilt den Kern von Messow in einen nördlichen und einen südlichen Teil. Das Bauerndorf wird in seiner ganzen Länge von Nord nach Süd zusätzlich durch die „Bache“ getrennt.

Die beiden alten Dorfstraßen verlaufen beiderseits des kleinen Gewässers, das aus den Feldern hart nördlich von Messow kommt und bei Pollenzig in die Oder mündet. Messow erscheint ebenso wie Pollenzig, soweit man das heute noch erkennen kann, von seiner Gründung an ein Straßendorf gewesen zu sein. An den beiden Dorfstraßen lagen alle zum alten Bestand gehörenden Bauerngehöfte, sowie die der Gemeinschaft dienenden Bauten wie Kaufladen (Ex-Gut), Kirche, Schule und (zwei) Gasthäuser.





  • zur Geschichte des Ortes

Die Crossener Region befand sich etwa seit 822 im Besitz von Piastenfürsten, gehörte zum gesellschaftlich-sozialen Herrschaftsgebiet Schlesiens und stand bis 1163 unter der Krone Polens. Danach errangen die Piasten Schlesiens vorübergehend, als Herzogtum, staatliche Selbständigkeit, bis sie von 1335-1476 unter die polnische Hoheit der böhmischen Krone fielen. Speziell der schlesische Herzog Heinrich I., der Bärtige, sicherte nach 1200 seinen Herrschaftsbereich durch die Gründung von Siedlungen und Städten, auch im Lande Crossen.
Zu den ersten Gründungen werden nach der Überlieferung u.a. Hundsbelle, Neu-Rehfeld, Gersdorf. Rusdorf und Merzdorf gezählt. Die offizielle Gründung der Siedlung Messow könnte also auch in dieser Zeit erfolgt sein. Aber auch eine noch frühere Besiedlung ist nicht ausgeschlossen, da ein Hinweis auf einen Burgwall in Messow in der Literatur zu finden war.

Der Ort Messow fand urkundlich 1251 erstmalig Erwähnung. Vom Crossener Kastellan wurde Messowe, wohl im Auftrag des schlesischen Herzogs, an das Zisterzienser Kloster Leubus in Niederschlesien an der Oder, gegeben. Demzufolge bestand zum Zeitpunkt der Schenkung in der betreffenden Feldmark zumindest schon eine Siedlung dieses Namens, aber über die Gründer von Messow, wie auch über die Bedeutung des Namens Messow konnten bisher keine eindeutigen Angaben gefunden werden.

Der Nachweis zweier Lehnschulzen, bis in das 18. Jahrhundert in Messow, ist ein Hinweis, dass hier neben einem slawischen Dorfgefüge ein weiteres durch deutsche Ansiedler errichtet wurde, und beide mit der Zeit zu einer Ortschaft zusammenwuchsen. Die Kirchenbücher von Messow überliefern die Namen der beiden Lehnschulzen mit Burdack (slawischen Ursprungs) für den slawischen und Schultze für den deutschen Teil des Ortes. Zu derartigen Gemeindewesen im Kreis Crossen werden u.a. auch Bindow, Dobersaul und Pollenzig gezählt.

Die Umwandlung slawischer Dörfer in deutsche ist auch urkundlich für Güntersberg und Münchsdorf belegt, die schon durch Heinrich I. mit der Verleihung deutschen Rechts zugleich auch diese deutschen Namen erhielten. Bei 1202 sind diese Ortschaften noch als Ossetnice und Zarbin verzeichnet.
1718/19
      Klassifikation von 1718/19

1482, so ist von Chronisten überliefert, wurde Messow von der begüterten Familie von Rothenburg an einen Ritter Balthasar von Loeben weiter gegeben. Nicht auszuschließen ist, dass ein früheres Mitglied dieser ritterlichen Familie Rothenburg zu den Lokatoren im Land Crossen gehörte und hier in Messow einen abgabe- und zinsfreien Lehnschulzenbesitz und im Verlaufe der Zeit vom Grundherren auch ein erbliches Lehen am Ort erlangt hatte.

Das Land Crossen, und mit ihm wohl auch Messow, wurde 1535 durch den böhmischen König Ferdinand dem Kurfürsten Joachim II. von Brandenburg und seinem Bruder, dem Markgrafen Johann I. von Küstrin, als erbliches Lehen überlassen, von wo ab selbiges bei der Mark Brandenburg, unter dem Hause Hohenzollern, verblieb und bis 1945 der Neumark zugeordnet war.

Der Ritter Balthasar von Löben, das Mitglied eines alten Adelsgeschlechts, das später den Kurfürsten von Brandenburg mehrere Staatsmänner stellte und das lange Zeit im benachbarten Schönfeld wohnte, übernahm auch die Verwaltung über die Dörfer Eichberg und Planz (Pollenzig).

Der furchtbare Dreißigjährige Krieg ist auch in Messow nicht spurlos vorübergegangen.
Plündernde Soldatenhorden vollführten auch in Messow ihr schreckliches Handwerk.




Die erste Auskunft über die Besitzstruktur gibt der preußische Steuerkataster von 1718/19.
In der Klassifikation 1718/19 wird Messow wie folgt erwähnt:

Messow befand sich in den Händen des königlichen Amtes Krossen.
Im Ort gab es: 16 Bauern,       12 Gärtner       4 Büdner       Sie wurden darin namentlich genannt.
Der Schmied bewirtschaftete ein Drittel einer Hufe, der Schäfer eine Hufe.

Es wurden vorwiegend Roggen, Gerste, Hafer, Erbsen, Wicken, Buchweizen, Hirse, Leinen und Hanf angebaut.
Der Heugewinn im Ort betrug 15 Fuder. Weide und Viehzucht waren mittelmäßig.

Auf einem Bauernhof konnten 2 Pferde, 2 Ochsen, 5 Rinder, 12 Schafe, 3 Schweine und 3 Gänse gehalten werden.
Für Holz aus der Königlichen Heide musste 1 Scheffel Hafer gezahlt werden. Im Ort gab es einige Bienenstöcke.
Der Küster hatte etwas Land. Im Dorf gab es noch 21 Hausleute, davon 14 auf Leibgedinge. Der Krüger verschänkte im Jahr 40 T. Liter Bier.

 



Während des Siebenjährigen Krieges überschwemmten am 12. August 1759 plündernde Russen die Gegend. Messow wurde von ihnen gebrandschatzt, die Kirche erbrochen, und die Abendmahls- und Taufgeräte wurden geraubt.

Die Chronik berichtet auch von einem gewaltigen Brand, der 1738 dem Herrn von Löben in Schönfeld sieben Scheunen und sämtliche Wirtschaftsgebäude vernichtete, außerdem noch drei Bauerngehöfte einäscherte.


Im Bratring 1806 steht geschrieben:

Messow war im Jahre 1806 ein Dorf mit 2 Lehnschulzen; es wurde vom Domänenamt Crossen verwaltet.
Es hatte 9 Ganz-Bauern, 5 Halb-Bauern, 12 Ganz-Kossäten, 11 Büdner, 7 Einlieger und 1 Schmiede.

Messow hatte 1806:  44 Feuerstellen u. 289 Einwohner .

Außerdem wurde geführt:
  ♦ Amtsvorwerk: beim Dorf Messow     mit 3 Häusern und 18 Einwohnern.



In der “Topografischen Übersicht des Reg.Bez. Frankfurt/Oder” aus dem Jahre1844 erscheint:

  ♦ Messow: ein Dorf mit einem Rittergut (Besitzer ist Petsch) sowie mit 1 Vorwerk und 1 Försterei.
  ♦ Im Jahre 1844 hatte Messow 56 Wohngebäude und 505 Einwohner.


Für das Jahr 1852 werden genannt: Messow = Dorf und Rittergut mit 598 Einwohner.

Im Riehl und Scheu "Berlin und die Mark Brandenburg …" von 1861 wird geschrieben:

  ♦   Messow: war Dorf mit Rittergut mit 71 Häuser und 633 Einwohner, darunter 6 Juden.
  ♦                   Das Gut wurde von Bornstedt verwaltet.



  • Die   K i r c h e   in   Messow

Messow
Majestätisch erhob sich die Kirche im Messow, kurz vor dem 1. Weltkrieg in Ziegelbauweise errichtet, auf einer kleinen Anhöhe stehend, womöglich bei der Höhe derselben in früheren Jahrhunderten durch Aufschüttungen etwas nachgeholfen, über das Dorf und erweckte den Eindruck, die von oben niedrig erscheinenden Bauten der Bewohner wie eine Glucke schützen zu wollen. Von vielen wird das Bauwerk als Wahrzeichen von Messow angesehen.

Der Turm mit neogotischen Fenstern und einer Art Walmdach, auf dem ein Türmchen mit Uhr, Zwiebelhelm und Wetterfahne ritt, so kannte man die Kirche. Die Turmspitze der Kirche war weithin, so z. B. bei gutem Wetter bis aus dem 14 km entfernten Crossen, zu sehen und ihr Glockengeläut auch über die Wipfel der Bäume bis Pollenzig, Schönfeld und Schmachtenhagen zu hören.



In Messow sind im Laufe der Jahrhunderte nacheinander drei Kirchen nachweisbar. Von der ersten Kirche, die ein Holzbau war, berichtete 1590 der Pfarrer Elias Lauriscius (d. h. Laurisch), dass sie baufällig war, was aus einer Bemerkung im Besitzstandsverzeichnis hervorging: Viele Bestandteile sind verfault! Sie hat zweifelsohne bereits vor der Reformation gestanden, vielleicht schon viel früher.

Sicher haben die verschiedenen Obrigkeiten des 1251 urkundlich erstmals erwähnten Dorfes 13 km westnordwestlich von Crossen für eine Andachtsstätte ihrer Bewohner gesorgt.
Das gilt ganz gewiß für den Besitzer ab 1251, das schlesische Zisterzienserkloster Leubus, dem als „Herrschaft“ die Adelsfamilien von Rothenburg und von Loeben sowie ab dem 16. Jahrhundert der Kurfürst von Brandenburg, vertreten durch seine Amtsverwaltungen in Crossen folgten.



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    So sah die alte Messower Kirche aus,
      die Anfang des 17. Jahrhunderts erbaut und
      kurz vor dem 1. Weltkrieg abgerissen wurde.
Unter dem letztgenannten Patronat dürfte die zweite Kirche - ein Steinbau entstanden sein, der knapp 300 Jahre erhalten blieb. Urkundlich wurde der Steinbau 1656 erstmalig erwähnt.

Der Schriftsteller Bruchmüller, dessen Vater zunächst in Tammendorf und danach 1884 bis 1894 in Messow Pfarrer war, vermutete, daß er 1618, also am Anfang des 30jährigen Krieges, errichtet wurde. Dabei vergaß der Baumeister keineswegs einen Turm.

Dieser Turm entwickelte sich jedoch rasch zum Sorgenkind von Pastor, Patron und Gemeinde. Schon 1687 stürzte ein Teil von ihm bei einem Sturm ein. In der Folgezeit waren häufig Reparaturen daran nötig, so 1696 bis 1699, 1710 und 1720.
Über die Kriege des „Alten Fritz“ hinweg quälte man sich noch mit ihm. Dann wurde er 1772 unter Verzicht auf einen Ersatzbau abgerissen.

Die zwei Glocken hingen von diesem Zeitpunkt an in einem hölzernen Glockenhäuschen neben der alten Friedhofslinde. Sie stammten schon aus dem 15. Jahrhundert. Die größere hatte 84 cm, die kleine nur 29 cm Durchmesser. 1891 kam eine dritte im thüringischen Apolda gegossene erzene Stimme von 66 cm Breite hinzu.

Bei der rechteckigen Kirche mit dreiseitigem Ostabschluß handelte es sich um einen massiven Putzbau. An den Seiten durchbrachen zwei Reihen Fenster das dicke Mauerwerk, das allerdings innen mit Schutt gefüllt war, wie sich beim Abriß herausstellte. Die drei östlichen Seiten hatten je eine oben rundbogige Lichtöffnung. Die mit Blei gefaßten Scheiben ließen nur dämmriges, grünliches Licht ins Innere.
An der Nordseite war eine tonnengewölbte Sakristei angebaut. Der Eingang auf der Südseite hatte im 19. Jahrhundert eine kleine Vorhalle erhalten.Innen standen an den Längsseiten barocke Emporen.



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  Die Messower Kirche, wie sie bis zur
  Teilzerstörung des Turms 1945 aussah.
Das alte, vermutlich in der Zeit um 1608/18 erbaute Gebäude war in die Jahre gekommen. Der Turm war schon abgetragen worden. Für die Glocken wurde damals ein Behelfsturm aus Holz errichtet, der aber mangels Pflege nunmehr auch schon wieder in die Jahre gekommen war. Auch er drohte einzustürzen.

Die ersten Aktivitäten für einen Neubau der Kirche reichen bis in die Zeit vor dem Jahr 1896 zurück. Nachdem die Finanzierung gesichert war, wurde bis zum Jahr 1906 das Projekt erarbeitet, leider ist aber der Planer nicht mehr bekannt. Die Orgel wurde bis zum Jahr 1913 dann in der Kirchenorgelbau-Anstalt Paul Voelkner in Bromberg, Danziger Straße 100, repariert. Die gesamte Bauleitung vor Ort wurde Herrn Bautechniker Wunsch von der Königlichen Kreisbauinspektion ZülIichau übertragen.

Kurz vor dem 1. Weltkrieg erfolgte der Abriß der alten Kirche und daran anschließend der Neubau der neuen Kirche, die man im Gegensatz zur alten hell und licht baute. Die Wetterfahne war mit der Jahreszahl 1911 versehen.
Am 20. Dezember 1912 war dann die große Stunde der Einweihung dieses Neubaus.

In dieser neuen Kirche predigte der Pastor Bruno Schwarz von 1914 bis 1932, vielleicht auch schon zuvor sein Kollege Albert Bellin (1911-1914).

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        Die Messower Kirche   -   Heute

 

Die Innenausstattung präsentierte sich schlicht und einfach, ohne jeden Prunk. Die hölzerne Kanzel befand sich links und ein Taufbecken rechts des Altarraumes. Das Kirchenschiff enthielt links an der Nordseite und rechts an der Südseite sowie über dem Eingang von Westen her hölzerne Emporen, wobei auf der letzteren, gegenüber dem Altar, die Orgel ihren Platz hatte. Die Sitzbankreihen waren durch einen Mittelgang geteilt. Ein elektrischer Kronleuchter mit über 20 imitierten Kerzen über dem Mittelgang von der Decke herabhängend, spendete das erforderliche Licht.

Am 3. Februar 1945, als der Crossener Nordkreis schon fast vollständig von der Roten Armee besetzt war, sprengte ein Trupp SS den oheren Teil der neuen Messower Kirche bis zu den Schallöchern weg. Er wollte vermutlich verhindern, daß die Sowjets das Bauwerk als Beobachtungsstelle nutzen konnten.

Die polnischen Katholiken setzten den Turm später wieder instand, indem sie ihn über den Schallöchern mit einem flachen Zeltdach versahen.




Seit dem Jahr 1656 wurde in Messow das Kirchenbuch mit den Vermerken über die Geburten, Heiraten und Todesfälle geführt. Aber nicht nur dies, Pfarrer Helm - er wirkte ab dem Jahr 1649 in Messow - begann bereits mit den Eintragungen aus besonderen Anlässen. So waren diese im Verlauf der Jahrhunderte entstandenen Bände wertvollstes historisches Material im gesamten Land bekannt und von Historikern geschätzt. Unser Chronist W. Bruchmüller (gest. 1926) - auch sein Vater war von 1884 bis 1895 Pfarrer in Messow - schöpfte immer wieder Wissen aus diesen Aufzeichnungen. Sein Buch "Zwischen Sumpf und Sand" bringt viele Episoden und Berichte aus der frühen Zeit und gewährt uns somit einen begrenzten Einblick in diese Aufzeichnungen.

Leider sind auch die Messower Kirchenbücher gegen Ende des Krieges von den Gefolgsleuten in sinnloser Zerstörungswut vernichtet worden.
Ein Kulturgutverlust ohne Gleichen und nicht wieder zu ersetzen!

Nicht uninteressant ist, dass von der Reformation bis 1932  21 namentlich benannte evangelische Pastoren in Messow ansässig waren und dort wirkten. Nach einer Vakanz von 1932 bis 1938 war dann der 22. und letzte deutsche Ortsgeistliche der Pastor Holz bis zu seinem Tode im 2. Weltkrieg.
Alle Messower Geistlichen hatten übrigens einen großen Pfarrsprengel zu betreuen. Zu ihm gehörten Pollenzig, Schmachtenhagen, Schönfeld, wo eine weitere Kirche stand, sowie Mühlow und Siebenbeuthen.

Über 100 Jahre, von 1649 bis 1765 kamen in Messow die Geistlichen Andreas, Friedrich und Christian aus einer Familie namens "Helm", wobei noch 1945 im Dorf der Torsaulenname »Helmes« anzutreffen war.


  • Das Messower   G u t   wurde   1906/07   parzelliert

Das Anfang des 20. Jahrhunderts aufgeteilte Gut war übrigens kein historischer Rittersitz. Wer die Geschichtsquellen befragt, findet heraus, dass „Messowe“ 1251 vom Crossener Kastellan wohl im Auftrag des schlesischen Herzogs an das Kloster Leubus gegeben wurde.
Das Dorf war also zur Zeit der Ostkolonisation wie Güntersberg, Münchsdorf und Neuendorf Klosterbesitz. 1492, also zu Beginn der brandenburgischen Zeit, gab die reich begüterte Familie von Rotenburg Messow an einen von Loeben weiter.

Schon 1538/39 löste der Markgraf Johann von Küstrin mit der Einführung der Reformation in seinem Herrschaftsbereich und der damit verbundenen Kirchenreform unzählige Klöster auf und wandelte deren Eigentum in Domänenbesitz um. Es ist davon auszugehen, dass dazu auch Messow gehörte, denn das spätere Gut von Messow wird seit dieser Zeit als Crossen Vorwerk geführt. Seitdem gehörte das Dorf zum Amt Crossen, wurde also unmittelbarer Besitz des Landesherrn, und das Gut war ein Crossener Amtsvorwerk.

Erst im 19. Jahrhundert zur Zeit der Stein‘schen Reformen ging es in Privatbesitz über. So finden wir in den Unterlagen aus dem Jahre 1806 noch ein 828 Morgen großes Amtsvorwerk, in den Akten von 1856 jedoch ein 1372 Morgen großes Gut, überwiegend Ackerland, in der Hand des Gustav Eduard Petsch verzeichnet.

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        Kaufhaus Nauck   -   ehemaliges Schloss des Gutes

Selbiges wird 1864 an den Leutnant a.D. von Bornstedt verkauft, dessen Familie 1906/07 die Parzellierung des Gutes und dessen Weiterverkauf durchführt. Den Gutshof erwarb der Kaufmann Nauck aus Schiedlo, dem von Hochwassern heimgesuchten Dorf gegenüber der Neiße-Mündung, von dem schließlich nur Schule und Gasthof übrig blieben.

Die Aufteilung der Gutsflächen von Herrn von Bornstedt ergab eine günstige Möglichkeit des Erwerbs von Baustellen. Ja selbst größere Bauern, wie z.B. Karl Gerlach (Lorks), boten Land für Baustellen, in diesem Falle an der Pollenziger Chaussee, an. Im Ergebnis dieser Angebote siedelten ganze Familien von benachbarter Gemeinden nach Messow über. Auch die bisherigen Gutsarbeiter erwarben Parzellen an den Straßen nach Güntersberg und zum Luscht. Die ersteren nannte man die „Chausseer", die letzteren die „Oberender“.

Dadurch ging eine Vergrößerung des Dorfes vor allem in Richtung Osten, entlang der Straße nach Crossen, einher, und es erreichte mit 219 Haushalten und 747 Einwohnern die Ausmaße, wie wir es 1945 verlassen mussten.


  • Infrastruktur des Ortes

Einkaufen gingen die Messower zum Bäcker Vogelsänger, zum Kolonialwarengeschäft von Nauck oder zu Budach, welche zugleich auch noch eine Gastwirtschaft mit großem Saal betrieben, genau wie Unversuch, die zweite Gastwirtschaft im Ort. Oft wurden auch die Mühle, das Sägewerk und die Schmiede aufgesucht.
Auch für die medizinische Versorgung wurde gesorgt. An der Pollenziger Chaussee befanden sich das Grundstück des Zahnarztes und auch das große Haus des Arztes Dr. Schering.

Messow

Die zunehmende Industrialisierung im 19. und 20. Jahrhundert in Deutschland blieb nicht ohne Einfluss auf die Entwicklung auch der Dörfer des ehemaligen Kreises Crossen/Oder. Für Messow, welches nur 2 km von der Oder entfernt liegt, hatte insbesondere die mit der Industrialisierung einhergehende Entwicklung des Schifffahrtsverkehrs auf der Oder spürbare Auswirkungen.

Dominierte bis dahin die Landwirtschaft als Haupterwerbszweig im Ort und galt Messow als typisches Bauerndorf, waren 1926 bereits 43 Schiffer, darunter 14 Schiffseigner, wie August Paulke, Wilhelm Küchhold, Carl Beerfelde, Ernst Reschker, Ernst Prüfert, um nur einige zu nennen, in Messow ansässig.

Das entsprach rund 22 % der damaligen Haushalte im Ort, wogegen nur noch 16,25 % der Haushalte als Bauern, Landwirte und Kossäten ihr Haupteinkommen aus der landwirtschaftlichen Tätigkeit bezogen. Sie gaben natürlich noch weiteren Familien saisonbedingt Arbeit und Brot.
Aber auch die Kinder der Schiffer, vor allem der Schiffseigner, ergriffen diesen Beruf als Schiffer und bezogen neben dem Haushaltsvorstand darüber hinaus auch ihren Lebensunterhalt aus dieser Tätigkeit.

 

Aber auch die Landwirtschaft selbst trug ihren Teil zur Entwicklung des Dorfes bei. Durch die Anwendung agrarwissenschaftlicher Erkenntnisse, durch den Einsatz landwirtschaftlicher Maschinen und Geräte wurde nicht nur eine Erleichterung der Arbeit in der Landwirtschaft geschaffen, sondern auch die Effektivität gesteigert und damit ein Wachstum der Erträge und Erlöse der Bauern erreicht.

Ein Beispiel dafür lieferte eine der größten, die über 30 ha große Bauernwirtschaft von Karl Gerlach. Seine Wirtschaft galt als Vorzeigebetrieb. Hier war die landwirtschaftliche Produktion durch die Anschaffung von landwirtschaftlichen Maschinen und Geräten, wie Getreideableger, Sä- und Dreschmaschine, Kartoffelroder, die Einrichtung einer eigenen zentralen Wasserleitung auf dem Hof mit dem Einbau von Selbsttränken für die Tiere in den Ställen, bis hin zur Anwendung von mineralischem Dünger und hochwertigen, ertragreichen Saat- und Pflanzgut weitestgehend modernisiert. Dem Sohn, Wilhelm Gerlach, war auch der Besuch der landwirtschaftlichen Schule ermöglicht worden, welcher nach der Übernahme des väterlichen Betriebes diesen auch weiter entwickelte.
Natürlich nutzten auch Kinder ansässiger Familien die Gelegenheit, in den Städten Crossen, Guben und Fürstenberg/O. eine Lehre oder Beschäftigung aufzunehmen und dort ansässig zu werden.

Messow
Anfang des 20. Jahrhunderts setzte auch eine rege Bautätigkeit zur Erneuerung der Bausubstanz ein, was zu einer Veränderung des Dorfbildes führte. Das Dorf weitete sich besonders entlang der Crossener Chaussee in Richtung Osten, aber auch am Mühlenende, zum Luscht hin aus. Alte Fachwerkbauten wurden durch neue massive Gebäude ersetzt und neue Hofgrundstücke geschaffen. In diesem Zeitraum sind weit über 35 Wohngebäude errichtet worden, ohne die vielen Wirtschaftsgebäude mitzurechnen.

Von den alten, weit über 100 Jahre alten, mit Stroh oder Schilf gedeckten Fachwerkhäusern waren 1945 nur noch zwei Häuser mit Strohdach zu finden. Nicht unerwähnt darf die Elektrifizierung des Dorfes in der Zeit von 1919 bis 1922.

Auch die Erbauung der Schule und der neuen Kirche fiel in diese Zeit, ebenso der Mühle und des Sägewerkes. Das Schulhaus wurde 1893 mit zwei Klassenzimmern und zwei Wohnungen erbaut. Wilhelm Schmidt war darin bis 1906 erster Lehrer und Küster. Im Amte folgten ihm Lehrer Stampa bis 1923, Lehrer Bunk bis 1936 und dann bis in die Kriegsjahre hinein Lehrer Henschel, der noch zur Wehrmacht eingezogen wurde und in russische Gefangenschaft kam.

 


  • Die   B r a u c h t u m   in   Messow

Auf alte Traditionen wurde in Messow streng geachtet. Die Messower benannten die Bauernhöfe nach den Torsaulen-Namen. Diese lauteten: Martschings, Greys, Gasnigs, Schreibers, Kallernauks, Kaldens, Duddaks, Schmieds, Wulferts, Badschags, Melzers, Brucks, Krinnaks, Rademachers und Türks.

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        Kinderfest   mit   Lehrer Bunk

Feiertage wie Weihnachten, Advent, Ostern, Pfingsten waren absolute gesellschaftliche Höhepunkte, wo nicht nur die Straße vor den Gehöften gründlich geharkt und gefegt wurde, sondern auch die Einwohner grundsätzlich die Kirche aufsuchten.
Pfingsten wurden die Hofeingänge und Haustüren mit frischem Birkengrün geschmückt. Ostern besuchten die Kinder grundsätzlich ihre Onkels und Tanten, um uns die üblichen zwei gefärbten Eier und Lebkuchengebäck abzuholen. Den Erwachsenen dienten diese Besuche zugleich für einen Austausch von Informationen, Gedanken und Ansichten.

Fastnacht, Erntefest und Kirmes wurden gründlich und ausgelassen gefeiert. Es existierte auch im Dorf eine kleine Blaskapelle, die zu solchen Anlässen aufspielte und bei gelegentlichen Umzügen wie der Fastnacht gleichfalls in Erscheinung trat.

Für eine besondere Abwechslung im täglichen Ablauf des Lebens im Dorf sorgten die ein- oder zweimaligen Fahrten mit dem Fahrrad oder bei den Bauern mit dem Kutschwagen in die 16 km entfernte Kreisstadt Crossen, um Einkäufe von Bekleidung, größere Besorgungen oder auch Geschäfte zu tätigen. Solche Fahrten, mit Mittagessen in einer Gaststätte oder Kaffeetrinken in einern Café, kamen einer Urlaubsreise der heutigen Zeit gleich.



  • Messow - Häuserverzeichnis

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    Einwohnerbuch 1926
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     Skizze   eines OrtsPlan
Dem Webmaster stand für Messow leider kein detaillierter Ortsplan mit Legende zur Verfügung, deshalb wird das "Einwohnerbuch des Kreises Crossen/Oder - Ausgabe 1926" benutzt.
Die darin enthaltenen Angaben werden im folgenden nur kurzgefaßt wiedergegeben:

Es war ein echtes “ Bauern- und Schifferdorf ”.

Es gibt in diesem Einwohnerbuch für Messow:
   •  23 Einträge von Bauern
   •  42 Einträge für Schiffer.
      davon waren 14 Einträge von Schiffseigner.

 


  • Nach der Vertreibung am 22. Juni 1945   -   Suche nach einem Obdach

Der folgende Beitrag vom Messower Landsmann Beerfelde berichtet über die ersten Wochen und Monate nach der Vertreibung aus Messow und der schwierigen Integration in die Gesellschaft und Struktur des nach dem 2. Weltkrieg verbleibenden Teiles Deutschlands. Dieser Beitrag soll der Nachwelt eine Mahnung sein.

Am 22. Juni 1945, in der Frühe, kamen polnische Reiter durchs Dorf und machten bekannt, dass wir in einer halben Stunde, nur mit 20 kg Gepäck, Haus und Hof verlassen müssen. In Pollenzig wurden wir mit Kähnen über die Oder gesetzt. In Niemaschkleba übernachteten wir in einer Feldscheune (Heidschäferei). Am nächsten Tag mussten wir über die Neiße. Mit dieser Vertreibung von Haus und Hof und die Aussiedlung aus unserem Heimatdorf Messow begann für unsere, wie auch für Tausende andere Familien des Ostens, ein langer und bitterer Leidensweg nach dem 2. Weltkrieg. Besonders meine Großeltern und meine Mutter haben dieses erschütternde Ereignis bis an ihr Lebensende nicht verschmerzen können.

Nachdem wir am 23.06.1945 über die Neiße abgeschoben waren, standen wir inmitten eines Trecks von vielen hundert Menschen, bei Coschen zwar auf heutigem, deutschen Territorium, aber heimatlos. Die hier wohnende Bevölkerung konnte sich nicht vorstellen, was auf der anderen Seite des Flusses ablief. Für sie waren wir Flüchtlinge, die nach Beendigung des Krieges eigentlich in die Heimat gehörten. Deshalb waren wir geduldet, aber nicht willkommen. So begann für uns eine qualvolle Zeit, die geprägt war von Not, Hunger und Ausweglosigkeit, von der Suche nach Unterkunft und Arbeit, vom Kampf ums Überleben.

 

Selbst die staatlichen Organe, Bürgermeister und das Landratsamt in Guben, waren von diesen sich vollziehenden Tatsachen völlig überrascht und ohne Handlungskonzept. Man schob uns von einem Dorf zum anderen. Unterkunft fanden wir in der Regel für eine Nacht in Scheunen, Schuppen oder leeren Ställen. Wichtig war allein ein Dach überdem Kopf und eine Schütte Stroh zum Schlafen.

Nach einem kurzen Zwischenaufenthalt in Weichensdorf und der Beerdigung unserer Großmutter in der fremden Erde in Güntersdorf, treckten wir mit unserem Handwagen am 14.08.1945 über Friedland, Beeskow und Storkow weiter in Richtung Ketzin, wo sich mein Großvater Unterstützung von entfernten Verwandten, bei der Suche nach einem Obdach und Arbeit in der damaligen Zuckerfabrik, erhoffte.

Unsere Mutter war krank. Sie hatte sich wahrscheinlich bei der Pflege unserer Großmutter infiziert. Weder in Friedland, Beeskow oder Storkow konnten wir sie wegen Überfüllung der dortigen medizinischen Einrichtungen in ärztliche Obhut geben.
Erst in Friedersdorf wurde sie wegen akutem Typhusverdacht im Krankenhaus aufgenommen. Im Flur wurde ein Bett für sie aufgestellt. Wir mussten aber weiterziehen, da es für uns weder im Ort noch in der Umgebung eine Unterkunft gab. In den Notizen meines Großvaters fand ich später die schicksalsschwere Eintragung: »Jetzt stand ich mit vier Kindern allein auf der Straße!« Ich war mit 12 Jahren der Älteste und mein Bruder Reinhard mit drei Jahren der Jüngste.

Am 29.08.1045 erreichten wir über Königs Wusterhausen, Groß Beeren und Potsdam, nach insgesamt etwa 130 km Fußmarsch, Ketzin. Täglich waren acht bis 20 km bewältigt worden. Die Nächte hatten wir bei Bauern auf der Scheunentenne, wie z.B. bei Otto Schneider in Friedland, Paul Kunatz in Buckow und Paul Höhnow in Kummersdorf, oder in Sälen von Gastwirtschaften, wie in Beeskow und Wendisch Rietz, oder in einem leeren Eisenbahnwagon in Satzkorn, verbracht. Auf offenem Feuer wurde manchmal eine warme Suppe zubereitet. Die Dörfer waren zu dieser Zeit bereits teilweise mit der doppelten Anzahl ihrer Einwohner, durch Millionen von Vertriebenen, vollkommen überbelegt. Es fanden sich nicht einmal mehr Notunterkünfte.

Die neue Landesregierung und die zugehörigen Kreis-Verwaltungen versuchten in das Chaos, das durch die nicht abgestimmten Aussiedlungsmaßnahmen aus dem Osten entstanden war, durch Personenerfassung und Lenkungsfestlegungen Ordnung zu bringen. Mit den bescheidenen, durch den Krieg verbliebenen Möglichkeiten und die durch diese Vorgänge noch verschärfte Notsituation, bemühte man sich, diese zu lindern und zu helfen. So hatten wir z.B. in Königs Wusterhausen in einem Barackenlager die Möglichkeit, drei Nächte dort zu verbringen. Dort erhielten wir auch täglich eine warme Gemüsesuppe und eine Tasse Kaffee zum Preis von 0,20 RM.

In Ketzin fanden wir gemeinsam mit sechs Familien zunächst - befristet für eine Nacht - eine Unterkunft in einem ehemaligen Lazarettraum. Am folgenden Tage wurde unsere Übernachtungsgenehmigung in diesem Raum bis zum 08.09.1945 und danach bis auf Weiteres verlängert. Am 24.09.1945 erhielten wir dann eine offizielle Aufenthaltsgenehmigung mit einer Wohnungszuweisung in eine Baracke auf dem Bahnhof. Ich erinnere mich noch heute, wie froh wir damals waren, nach den Wochen des Umherirrens endlich eine Bleibe, wieder einen festen Wohnsitz, gefunden zu haben.

Wir gingen mit Großvater auch sofort daran, die Räumlichkeiten zu säubern und zum Wohnen herzurichten. Die Reichsbahn stellte uns dazu aus Bauarbeiterversorgungsbeständen zwei Doppelschränke, drei Doppelstockbettgestelle, zwei Tische, zwei Stühle, vier Holzschemel, einen kleinen Küchenschrank, einen eisernen Ofen zum Kochen und Heizen, sechs Decken, Bezüge und Bettlaken sowie etwas Geschirr zur Verfügung, was wir jedoch später mit insgesamt 412 RM bezahlen mussten. So richtig glücklich waren wir aber erst, als Großvater am 04.10.1945 unsere Mutter aus dem Krankenhaus Friedersdorf abholen konnte.

  Änd 29.05.2020
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